Tipp #4: Schwierige Wortstellen

Wenn es um schwierige Wortstellen geht, muss ich innerlich immer etwas lächeln. Warum? Weil es DAS Thema ist, über welches ich auch ganz oft mit Erwachsenen rede und dabei immer das Gleiche zu hören bekomme: „Ach, das Wort schreibe ich immer falsch Man sollte doch meinen, dass ich es mittlerweile kennen muss!“ Lächeln muss ich dann, weil es diese Aha-Momente sind, die den Erwachsenen die Welt offenbaren, in der sich Kinder befinden, die Legasthenie oder LRS haben.

 

 

Die Methode, die ich Euch heute vorstelle, macht es möglich, die Rechtschreibung besser zu verstehen und somit zu lernen. Und zwar auf eine Art und Weise, die für so Manchen recht kompliziert erscheint. Aber wenn man sich mal etwas damit vertraut gemacht hat, sieht man die Einfachheit darin und bekommt vielleicht selber Anreize, bei so manchen Dingen mal über den Tellerrand zu schauen.

 

Nehmen wir mal an, Euer Kind soll einen Text (ab)schreiben. In jedem Text gibt es unzählige (ich nenne sie immer liebevoll) Stolpersteine. Das Kind schreibt nun den Text Wort für Wort und entscheidet dabei selber, welches Wort für es schwierig ist und welche Stelle darin das Kind sich schlecht oder gar nicht merken kann. (Wichtig ist, dass das Kind hierbei zwingend eine Begleitperson zur Seite hat, die die Erarbeitung mit ihm durchführt.) Das Kind sucht sich nun quasi seine eigenen Stolpersteine raus. Dann wird dieses Wort auf ein extra Blatt geschrieben und die schwierige Wortstelle markiert. Ich habe unten auf dem Bild mal einige Wörter vorbereitet

 

Das Wort „Arzt“ zum Beispiel wird von sehr vielen Kindern UND Erwachsenen „Artzt“ geschrieben. Die Stelle zwischen r und z wird zur Stolperfalle, weil wir beim überdeutlichen Aussprechen dort ein „t“ hören. Nun können wir das Kind darauf hinweisen, dass wir da zwar ein „t“ hören, wir dieses aber nicht schreiben, weil es dazu eine Rechtschreibregel gibt: „Nach l, m, n, r das merk‘ dir ja, kommt nie tz und nie ck!“ Wir bauen uns quasi eine Eselsbrücke. Daraufhin darf sich das Kind einen Esel hinter den Arzt malen und sich dazu eine lustige Geschichte ausdenken. Umso lustiger, umso besser. Weil alles, was wir mit Lachen lernen, vergessen wir nicht mehr so schnell. Somit wird im Gehirn ein Bild mit der Rechtschreibregel gekoppelt und gefestigt.

 

So könnt Ihr Euch selber Bilder zu einzelnen Rechtschreibregeln gemeinsam mit Eurem Kind aussuchen. Vielleicht erratet Ihr auch, was die restlichen Bilder neben meinen Wörtern zu bedeuten haben

 

Eins möchte ich Euch noch vorstellen: „Abend“ steht hier stellvertretend für alle Wörter die mit Plosivlauten, also d/t, g/k, b/p enden. Hier benutze ich sehr gerne das Bild einer Klopapierrolle, wegen des Verlängerns. Die Vorgehensweise ist die Gleiche wie beim „Arzt“: Wir hören beim Aussprechen zwar ein „t“, doch wenn wir das Wort auf einer Klopapierrolle verlängern, sehen wir, dass es mit „d“ geschrieben wird. Und dazu eine lustige Geschichte zu finden, ist in Corona-Zeiten recht leicht.

 

Und jetzt noch die oben angesprochene Alternative: Der Tipp mit den guten alten Post-its. Hat ein Wort eine solche schwere Wortstelle, schreibt das Kind es auf ein Post-it und klebt diesen an den Badezimmerspiegel, und das für mindestens 3-4 Wochen. Der regelmäßige Blick darauf führt dazu, dass sich das Wortbild im Gehirn eingeprägt wird. Da es aber sehr oft eine ganze Menge an Wörtern sind, die eingeprägt werden müssen, ist diese Methode wirklich nur hilfreich, wenn es sich tatsächlich nur um einzelne Wörter (max. bis zu 3 Stück) handelt.